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KI-Recherche in Recht und Steuern: Quellen und Ergebnisse prüfen
KI kann Rechts- und Steuerrecherche vorbereiten. Ein nachvollziehbarer Ablauf hilft Ihrem Team, Fundstellen, Aktualität und offene Fragen zu prüfen.

Wenn Sie eine Rechts- oder Steuerfrage bearbeiten, brauchen Sie Quellen, die zur Fragestellung und zum maßgeblichen Zeitraum passen. KI kann bei der Suche und Aufbereitung helfen. Ob eine Fundstelle die vorgeschlagene Antwort tatsächlich trägt, muss Ihr Team am Original prüfen.
Dieser Beitrag beschreibt einen möglichen Rechercheablauf für Kanzleien und Fachabteilungen. Er ergänzt das Projektbeispiel zur KI-Recherche um praktische Prüfschritte. Die Hinweise sind keine Bewertung eines bestimmten Produkts.
Welche Aufgaben KI vorbereiten kann
Eine KI-Suche kann passende Dokumente vorschlagen, längere Texte für eine Fragestellung zusammenfassen und Fundstellen für einen ersten Entwurf zusammenstellen. Das ist vor allem dann nützlich, wenn Ihr Team anschließend in den Originalquellen weiterarbeiten kann.
Für die rechtliche oder steuerliche Einordnung reicht eine flüssige Antwort nicht aus. Schon eine zutreffend wiedergegebene Textstelle kann für den konkreten Fall unpassend sein, etwa weil eine andere Fassung oder ein anderer Sachverhalt maßgeblich ist. Die Recherche muss deshalb nachvollziehbar bleiben.
Mit einer eingegrenzten Frage beginnen
Halten Sie zunächst fest, welcher Sachverhalt untersucht wird, welcher Zeitraum relevant ist und welche Teilfragen beantwortet werden sollen. Legen Sie auch fest, welche Quellen die KI nutzen darf und welche vertraulichen Informationen für diese Aufgabe verarbeitet werden können.
Ein klarer Auftrag erleichtert die spätere Prüfung. Eine mögliche Anweisung lautet:
Stelle die einschlägigen Quellen zu dieser Teilfrage zusammen. Nenne zu jeder Fundstelle den Titel, den Stand und die konkrete Textstelle. Trenne belegte Aussagen von offenen Fragen. Kennzeichne Quellen ohne Zugriff auf den Originaltext.
Ein solcher Auftrag legt das gewünschte Ergebnis fest. Er garantiert noch nicht, dass die KI alle Quellen findet oder ihre Angaben korrekt sind.
Fundstellen und Fassungen am Original prüfen
Öffnen Sie die wesentlichen Quellen selbst und gleichen Sie die Ausgabe mit dem Original ab. Für einen gemeinsamen Prüfablauf eignen sich folgende Fragen:
- Existiert die Quelle? Stimmen Titel, Aktenzeichen oder andere Identifikationsangaben mit dem geöffneten Dokument überein?
- Passt die Fassung? Ist der verwendete Stand für den untersuchten Zeitraum relevant? Sind Entwurf und veröffentlichte Fassung getrennt erkennbar?
- Trägt die Textstelle die Aussage? Lesen Sie auch den Zusammenhang und prüfen Sie, ob Einschränkungen oder Ausnahmen fehlen.
- Passt der Bezug zum Fall? Klären Sie, ob die vorgeschlagene Einordnung auf den konkreten Sachverhalt anwendbar ist.
Ein Quellenlink erleichtert diese Kontrolle. Er bestätigt für sich allein weder die Aussage noch die Vollständigkeit der Recherche. Auch eine laufend aktualisierte Datenquelle gewährleistet nicht, dass jede Antwort den richtigen Rechtsstand verwendet.
Für Anwaltskanzleien weist die Bundesrechtsanwaltskammer in ihrer Vorstellung des KI-Leitfadens auf mögliche falsche Informationen sowie Prüfungs- und Kontrollpflichten hin. Die Veröffentlichung gibt Orientierung für den anwaltlichen Einsatz; eine Einzelfallprüfung ersetzt sie nicht.
Lücken sichtbar dokumentieren
Wenn eine Quelle fehlt, nur ein Auszug vorliegt oder sich Angaben widersprechen, gehört dieser Punkt in das Ergebnis. Ihr Team sollte erkennen können, was belegt ist und wo weiter recherchiert werden muss. Der Entwurf bleibt bis zur fachlichen Prüfung als Entwurf gekennzeichnet.
Das gilt auch für den Umfang der Suche. Eine Antwort aus ausgewählten Treffern zeigt noch nicht, dass alle relevanten Dokumente oder Gegenpositionen erfasst wurden. Wie sich Wissenssuche und vollständige Dokumentenprüfung unterscheiden, erläutert der Beitrag zu RAG und dem Harry-Potter-Demonstrator.
Den Nutzen an denselben Aufgaben vergleichen
Bevor Ihr Team den Ablauf regelmäßig nutzt, sollten Sie ihn an fachlich geprüften Rechercheaufgaben testen und die bisherige Bearbeitung mit der KI-Unterstützung vergleichen, einschließlich Quellenprüfung und notwendiger Korrekturen. Erst der gesamte Aufwand zeigt, ob die Vorbereitung Arbeit spart.
Halten Sie übersehene Informationen und falsche Fundstellen getrennt fest. So wird sichtbar, welche Aufgaben sich eignen und welche Kontrollen erforderlich bleiben. Die zuständige Fachperson entscheidet über die Verwendung und Freigabe des Ergebnisses.
Einen geeigneten Einstieg besprechen
Sie möchten Recherche oder andere wiederkehrende Dokumentenarbeit mit KI vorbereiten? Im KI-Workshop für Unternehmen klären Sie mit Kai Kramer mögliche erste Schritte. Kanzleien und Fachabteilungen können dort ihre Anforderungen an Quellen, Datenzugriffe und fachliche Prüfung einbringen.
Sie erhalten Prioritäten und eine Empfehlung für einen anschließenden Praxistest. Ein ausgewählter Ansatz kann danach als gesonderter PoC umgesetzt werden. Umfang, erforderliche Zugänge und Preis werden separat vereinbart.


