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Legal AI wird zur Infrastrukturfrage
Für Kanzleien und Rechtsabteilungen hängt der Nutzen von Legal AI auch von Datenzugriffen, Prüfregeln und Freigaben ab. APIs, Skills und Connectoren übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben.

Wenn Ihr Team einen Vertrag mit KI prüfen möchte, braucht es mehr als eine brauchbare Zusammenfassung. Die Anwendung muss den richtigen Dokumentstand erhalten, die vereinbarten Prüfregeln berücksichtigen und Änderungen zur fachlichen Freigabe vorlegen. Sobald mehrere Systeme beteiligt sind, werden auch Datenzugriffe und die Ablage der Ergebnisse Teil der Aufgabe.
Deshalb betrachte ich Legal AI als Infrastrukturfrage. Die Wahl des Modells gehört dazu. Ebenso wichtig ist, wie Sie Fachinhalte, Werkzeuge und Verantwortlichkeiten zu einem nachvollziehbaren Arbeitsablauf verbinden. Das betrifft Kanzleien und Rechtsabteilungen ebenso wie Anbieter juristischer Fachsoftware.
Was eine LLM-API für Legal Tech abdeckt
Über eine LLM-API kann eine Anwendung Aufgaben an ein Sprachmodell übergeben und dessen Ausgabe weiterverarbeiten. Damit ist der fachliche Ablauf noch nicht eingerichtet. Ihr Team muss festlegen, welche Unterlagen verwendet werden dürfen, wie die Anwendung sie findet und wer das Ergebnis prüft.
Zusätzliche Werkzeuge können die Suche in Dokumenten übernehmen. Beispielsweise beschreibt OpenAI für die Dateisuche über seine API einen eigenen Dienst mit vorbereiteten Dokumentbeständen. Eine solche Suchfunktion und der Aufruf des Modells sind unterschiedliche Bausteine. Auch eine gefundene Textstelle muss zur konkreten Frage passen.
Für die Planung hilft folgende Trennung:
- Modellzugang: Welche Aufgaben soll das Modell vorbereiten und welches Ausgabeformat wird benötigt?
- Fachinhalte und Zugriff: Welche Quellen, Dokumentfassungen und Berechtigungen gelten für den jeweiligen Vorgang?
- Prüfregeln: Welche Abweichungen soll die Anwendung markieren und wann muss sie offene Fragen zurückgeben?
- Bearbeitung und Freigabe: Wer kontrolliert Vorschläge, übernimmt Änderungen und gibt das Ergebnis für die weitere Verwendung frei?
Die Qualität des Modells beantwortet diese organisatorischen Fragen nicht. Sie gehören in die Planung und in den anschließenden Praxistest.
Wie Skills, Plugins und Connectoren zusammenarbeiten
Ein Skill kann beschreiben, wie eine wiederkehrende Aufgabe bearbeitet werden soll. Bei der Vertragsprüfung können dazu die Prüfregeln Ihres Teams, Risikokategorien und die erwartete Dokumentation gehören. Ein solches Playbook hält fest, was akzeptabel ist und wann eine Fachperson entscheiden muss.
Connectoren stellen Verbindungen zu den benötigten Systemen her, etwa zum Dokumentenmanagement oder zu freigegebenen Wissensbeständen. Welche Daten darüber erreichbar sind und welche Aktionen zulässig sind, muss für die konkrete Verbindung geprüft werden. Eine Schnittstelle ersetzt kein Berechtigungskonzept.
Plugins können mehrere dieser Bausteine bündeln. Anthropic beschreibt in seinem Repository für Knowledge Work Plugins die Kombination aus Skills, Connectoren, Befehlen und Unteragenten. Die Vorlagen sollen an die Werkzeuge, Begriffe und Arbeitsweisen des jeweiligen Unternehmens angepasst werden.
Für Ihr Team beginnt die Vorarbeit bei der Aufgabenbeschreibung, den zugänglichen Unterlagen und den Regeln für die Bearbeitung. Eine allgemeine Anweisung wie „Prüfe den Vertrag“ lässt zu viele Entscheidungen offen.
Welche Ansätze die Anbieter beschreiben
Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Zugänge zur Arbeit mit Dokumenten. Es sind Herstellerangaben, keine vergleichende Produktprüfung. Stand der Quellenprüfung ist der 19. Oktober 2026.
Anthropic: juristische Arbeitsabläufe als Plugin
Das Legal Productivity Plugin richtet sich laut Anthropic an interne Rechtsabteilungen. Es ist vor allem für Claude Cowork vorgesehen und auch mit Claude Code nutzbar. Beschrieben werden unter anderem Vertragsprüfung, die Vorprüfung von Geheimhaltungsvereinbarungen und die Vorbereitung standardisierter Antworten.
Die Dokumentation verlangt eine fachliche Prüfung der Ergebnisse. Sie weist außerdem darauf hin, dass die mitgelieferten Playbook-Beispiele US-amerikanische Rechtspositionen abbilden und an andere Rechtsordnungen angepasst werden müssen. Eine Vorlage ist damit ein Ausgangspunkt für die eigene Ausarbeitung, kein fertig geprüftes Regelwerk für eine deutsche Kanzlei.
OpenAI: Werkzeuge und Arbeitsanweisungen in Codex
OpenAI beschrieb bei der Vorstellung der Codex App, wie Skills Anweisungen, Ressourcen und Skripte für wiederkehrende Aufgaben zusammenführen. Genannt werden auch Dokumentenarbeit und zeitgesteuerte Abläufe. Die Veröffentlichung zeigt einen Ansatz, der über das Schreiben von Code hinausgeht.
Daraus folgt noch keine fachliche Eignung für einen bestimmten juristischen Vorgang. Für einen Einsatz müssen Sie die Aufgabe, die verfügbaren Werkzeuge und die Grenzen der Bearbeitung gesondert prüfen. Die technische Fähigkeit, einen Ablauf auszuführen, ist kein Nachweis für die Qualität seiner juristischen Ergebnisse.
Microsoft: juristische Funktionen in Word
Microsoft beschreibt unter dem Namen Copilot for legal juristische Plugins in Word Desktop und Cowork. Die Dokumentation setzt eine kommerzielle Microsoft-365-Copilot-Lizenz voraus.
Zu den beschriebenen Aufgaben gehören Zusammenfassungen, Änderungsvorschläge und Vertragsprüfungen anhand eines Playbooks. Vorgeschlagene Änderungen werden in Word zur Annahme oder Ablehnung vorgelegt. Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse fachlich geprüft werden müssen.
Für ein Team, das in Word arbeitet, kann dieser Zugang eine Prüfung wert sein. Ob er zum eigenen Dokumentenbestand, zu den Anforderungen und zur verfügbaren Konfiguration passt, muss im konkreten Umfeld getestet werden.
Welche Rolle Fachanbieter behalten können
Meine Einschätzung: Mit solchen Arbeitsumgebungen verändert sich, wo Nutzer auf juristische Inhalte zugreifen und Vorgänge bearbeiten. Wie stark sich einzelne Plattformen durchsetzen, ist damit noch nicht entschieden. Für deutsche Legal-Tech- und Fachinhaltsanbieter ergeben sich mehrere mögliche Rollen:
- Eine eigene Fachanwendung kann den gesamten Ablauf anbieten, wenn Recherche, Prüfung und Bearbeitung darin sinnvoll zusammenkommen.
- Ein Anbieter kann Fachinhalte über dokumentierte Schnittstellen erschließen. Dann zählen unter anderem Datenqualität, Dokumentfassungen, Suchmöglichkeiten und geregelte Zugriffe.
- Geprüfte Playbooks und spezialisierte Arbeitsanweisungen können eine bestehende Plattform ergänzen, sofern Zuständigkeit, Pflege und fachliche Prüfung geklärt sind.
Diese Wege lassen sich kombinieren. Für die Auswahl sollten Sie auch betrachten, ob sich eigene Regeln und Ergebnisse exportieren lassen und wie aufwendig ein späterer Anbieterwechsel wäre. Ein Wechsel der Arbeitsoberfläche sollte nicht unbeabsichtigt den Zugriff auf das eigene Wissen erschweren.
Datenverarbeitung und Freigaben vor dem Einsatz klären
Aus einer Produktbeschreibung lässt sich keine pauschale Eignung für vertrauliche Mandatsunterlagen ableiten. Prüfen Sie für die konkrete Konfiguration mit den zuständigen Personen, welche Inhalte verarbeitet werden dürfen, welche Anbieter beteiligt sind und welche vertraglichen und technischen Voraussetzungen gelten. Dazu gehören auch Datenregionen, Aufbewahrung, Löschung und die Rechte der beteiligten Nutzer.
Für den Arbeitsablauf muss außerdem erkennbar sein, welche Schritte die KI vorbereitet und wo eine Freigabe erforderlich ist. Ein Entwurf für eine Mandantenmail und deren Versand sind getrennte Vorgänge. Dasselbe gilt für Änderungsvorschläge und die Ablage einer freigegebenen Vertragsfassung.
Eine mögliche Anweisung für die vorbereitende Arbeit lautet:
Prüfe diesen Vertrag gegen unser Standard-Playbook. Markiere Abweichungen. Schlage Redlines vor.
Der Auftrag braucht zusätzlich den zulässigen Dokumentbestand, das passende Playbook und ein vereinbartes Ergebnisformat. Die zuständige Fachperson prüft anschließend die Vorschläge und entscheidet über ihre Verwendung. Hinweise zum Abgleich mit Originalquellen finden Sie im Beitrag über KI-Recherche in Recht und Steuern.
Mit einem begrenzten Ablauf beginnen
Bevor Sie eine umfassende Plattformentscheidung treffen, können Sie einen ausgewählten Vorgang untersuchen: Welche Unterlagen werden benötigt, welche Bearbeitung ist wiederkehrend und woran erkennt Ihr Team ein brauchbares Ergebnis? Das Projektbeispiel zur juristischen Recherche beschreibt einen Ansatz für den Zugang zu Fachinhalten und benennt die Grenzen der vorhandenen Ergebnisbelege.
Im KI-Workshop für Unternehmen klären Sie mit Kai Kramer mögliche erste Schritte. Kanzleien und Rechtsabteilungen können ihre Anforderungen an Quellen, Datenzugriffe und Freigaben einbringen. Sie erhalten Prioritäten und eine Empfehlung für einen anschließenden Praxistest.
Ein ausgewählter Ansatz kann danach als gesonderter PoC umgesetzt werden. Umfang, erforderliche Zugänge und Preis werden separat vereinbart. Seine Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Entscheidung über den weiteren Ausbau.




